Anja Trinklein
Heilpraktikerin
Praxis für Klassische Homöopathie

Die Bewertung der Reaktionen auf Q-Potenzen, mögliche Reaktionen nach Q-Potenz-Gabe

Auszug aus:

Dr. med. Jens Wurster: Die homöopathische Behandlung und Heilung von Krebs und metastasierter Tumore

Die Bewertung der Reaktionen auf Q-Potenzen - mögliche Reaktionen nach Q-Potenz-Gabe

1. Fortlaufende Besserung der Krankheitssymptome
Wenn wir ein Mittel geben und sich die Symptome, weswegen der Patient zu uns kam, kontinuierlich bessern, dann sind wir auf dem richtigen Weg. Wir beobachten alle Symptome, die wir auf die Verlaufsparameterliste gesetzt haben. Das Mittel weitergeben (vgl. Organon § 246).

2. Verschlimmerung der Krankheitssymptome
Wenn sich die Krankheitssymptome, weswegen der Patient zu uns kam, nach wenigen Gaben der Q-Potenz verschlimmern, dann müssen wir uns ernstlich fragen, ob es sich:

a.  A: um eine Frühverschlimmerung handelt: Was kann eine mögliche Ursache einer Frühverschlimmerung sein? Die häufigste Variante ist, dass das Mittel zu stark ist, d.h. die Dosis ist zu stark oder das Mittel ist zu häufig wiederholt worden. Dann müssen wir das Mittelweiter verdünnen. (Methode aus dem dritten Glas). Oder: Es kann sein, dass das Arzneimittel nicht korrekt hergestellt ist. Oder: Der Patient ist überempfindlich auf Q-Potenzen. Gerade bei Asthmatikern, Neurodermitikern, Hyperthyreotikern und bei Menschen, die zur Hysterie neigen, können wir diese Überempfindlichkeit beobachten (vgl. Organon § 248 Anmerkung und § 281 Schlussteil).

b.  B: um eine Spätverschlimmerung handelt: Wenn wir das Wiederauftreten der Krankheitssymptome, die sich anfänglich mit der Q-Potenz gebessert haben, beobachten, dann müssen wir uns fragen, ob:

c.  C: das Mittel bereits zu lange gegeben wurde: Das heißt, wir müssen jetzt das Mittel absetzen und warten. Bessern sich die Symptome in der Mittelpause, bestätigt das eine Spätverschlimmerung (vgl. Organon, § 280-81 und § 248 letzter Teil).

Beurteilung des Auftretens von Symptomen unter der Q-Potenzgabe:

1. Das Wiederauftreten von alten Symptomen - Wenn ein erstes ursprüngliches, schon früher beobachtetes Symptom erneut auftritt, fährt man mit demselben Mittel fort. Gleichzeitig sollten aber alle Mittel im Repertorium studiert werden, die dieses Symptom auch hervorbringen können. Wenn sogenannte alte Symptome auftauchen, die der Patient früher hatte, dann ist das ein gutes Zeichen.
Wenn sich Symptome zeigen, bei denen es sich um eine Ausscheidungsreaktion in Form von Hautausschlägen, Schweiß, Ausfluss oder Eiterungen handeln könnte, dann muss man vorsichtig weiterdosieren und sehen, ob diese Symptome verschwinden und es dem Patienten weiterhin gut geht.

2. Neue, noch nie dagewesene Symptome

2.1   Ist das Symptom wirklich neu, oder handelt es sich nur um ein pseudoneues Symptom, an das sich der Patient nicht mehr erinnert (50 % der Fälle)? Sehr oft fragen wir den Patienten, ob er sich an dieses Symptom erinnern kann und dann beteuert der Patient, dass er es nie hatte und eine Woche später sagt er dann, er hatte es doch schon mal. Das ist menschlich und das müssen wir berücksichtigen, damit wir nicht von einem eventuell guten Mittel abkommen.

2.2   Tritt ein wirklich neues Symptom auf, so kann es ein Arzneimittelprüfungssymptom sein. Das heißt, man sucht das Symptom im Repertorium und vergleicht die Arzneimittel, die dieses Symptom hervorbringen können. Wenn das gegebene Mittel in der Rubrik enthalten ist, so erhält man entweder einen Hinweis, dass das gegebene Mittel FALSCH sein könnte (weil es ein Prüfungssymptom beim Patienten produziert hat) und zum anderen könnte es unter Umständen ein:

2.3   Hinweis auf das richtige Arzneimittel sein.
Nach Auftreten von neuen Symptomen studiert man die Repertoriumsrubriken und erhält häufig Hinweise auf das neu zu wählende Arzneimittel.


Bei einer Verschlechterung des Zustandes unter Q-Potenzgaben bei gleichzeitigem Auftreten von neuen Symptomen ist das Mittel falsch (Organon §§ 248, 249,167). Die neu aufgetretenen Symptome sind nun hinweisend für die neue Mittelwahl.

2.   Arzneimittelprüfungssymptome
Können auch auftreten, wenn die Flasche nicht geschüttelt wurde. (Arzneimittelprüfung nach Organon, § 247).

Anwendungsbeispiel: Eine Patientin mit Brustkrebs bekommt nach Q-Potenzgabe das Symptom, einer Ekchymose, eine umschriebene Einblutung im rechten Auge. Als Erstes nehmen wir das Repertorium zur Hand und schlagen folgende Rubriken auf:

- Auge; EKCHYMOSE, SUBKUTANE BLUTUNG: acon., act-sp., aeth., am-c, arg-n., Arn., beil., Cact., calc, cham., chlol., con., crot-h., cupr-acet., erig., glon., ham., hydrog., iod., iodof., kali-bi., kali-chl., kreos., lach., Led., lyc, lyss., merc-c, milk, nux-v., phos., plb., ruta., salx-n., seneg., sul-ac, sulfon., ter., xan..

- Auge; EKCHYMOSE, SUBKUTANE BLUTUNG; rechts: Con. Man nimmt beide Rubriken zusammen, da wir sonst nur auf Conium fixiert sind. Wenn das gegebene Mittel z.B. Conium in Q-Potenzgabe war und die Patientin hat dieses Symptom noch nie im Leben gehabt, dann ist das gegebene Conium sehr wahrscheinlich das falsche Mittel und die Einnahme muss gestoppt werden, da wir ein Arzneimittelprüfungssymptom produziert haben. Wenn das verabreichte Mittel aber z.B. Sepia war und es trat diese Ekchymose unter der Mittelwirkung von Sepia auf, so untersuchen wir die Rubrik und stellen fest, dass Sepia nicht darin enthalten ist. Wir erhalten aber damit einen Hinweis, dass unser neu zu wählendes Mittel in dieser Rubrik zu suchen ist und erhalten die Mittelidee von Conium. Dann muss der gesamte Fall neu analysiert und die eventuelle Causa - wie ein Schlag auf die Brust - eruiert werden. Man muss immer erst ausschließen, ob die Patientin nicht zufällig eine Verletzung am Auge gehabt hat, denn dann wäre dies eine Arnika-Ekchymose und wir dürfen es nicht zur Verlaufsbeurteilung miteinbeziehen, aber wenn die Ekchymose spontan erschienen ist, dann ist das ein hochwertiges Zeichen.

Ausscheidungsreaktionen
Man darf sich nicht verunsichern lassen, wenn unter dem richtigen Mittel Ausscheidungsreaktionen auftreten. Es ist sehr wichtig, dass man diese Ausscheidungsreaktionen nicht mit einem anderen Mittel unterbricht. Als Beispiel nehmen wir den Fall, wenn bei einer Patientin mit einem Brustknoten nach einer Mittelgabe plötzlich eine Leukorrhoe oder ein vermehrtes Schwitzen auftritt, dann kann es sich um einen Ausscheidungsprozess handeln. Würde man nun ein Mittel für die Leukorrhoe wählen, würde man den Heilungsprozess wieder rückgängig machen. J. H. Allen hat viele dieser Fälle in seinem Buch über „Die chronischen Miasmen" beschrieben und er warnt vor der Unterdrückung der Ausscheidungsreaktionen mit Homöopathie eindrücklich. Leider ist es heutzutage in der homöopathischen Praxis fast üblich, dass man immer für die aktuelle Beschwerde ein neues Mittel verschreibt. Wenn man aber den tiefen Zusammenhang und die Reaktionen des Organismus auf die Mittelgabe verstanden hat, wird man nicht auf die Ausscheidungssymptome verschreiben, sondern es wird das Mittel aufgrund der Totalität der Symptome, welches den Heilungsprozess in Gang gebracht hat, weitergegeben




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