Anja Trinklein
Heilpraktikerin
Praxis für Klassische Homöopathie

Die Q-Potenzen

Auszug aus:

Dr. med. Jens Wurster: Die homöopathische Behandlung und Heilung von Krebs und metastasierter Tumore

"In der 6. Auflage des "Organon der Heilkunst" von 1842 spricht Hahnemann über die Anwendung der Q-Potenzen. Hahnemann entwickelte die Q-Potenzen nach 62. Jahren Praxis, um vornehmlich die Erstverschlimmerung zu vermeiden. Er forschte sein ganzes Leben lang, um eine optimale Dosierung der homöopathischen Mittel zu erarbeiten.

J. T. Kent (1869-1916) entdeckte die Gesetzmäßigkeiten der C-Potenzen und beschreibt sie in seinem Buch "Zur Theorie der Homöopathie". Kent besaß allerdings nur die 5. Auflage des Organon. Die 6. Auflage blieb lange unveröffentlicht und erschien erst 1921 durch Haehls Edition. Insofern beziehen sich die Kent sehen Beobachtungen bei den Reaktionen auf die Mittelgaben nur auf die C-Potenzen.

In der Organonausgabe von Josef Schmidt wurden alle Änderungen aus der 5. Auflage des Organons in das Organon 6 übernommen und kursiv markiert. Leider wird aus Unwissenheit der § 280, in dem Hahnemann über die häufige Wiederholung der Q-Potenzen spricht, von vielen Homöopathen so fehlgedeutet, dass sie damit ihre häufige Anwendung der C-Potenzen rechtfertigen. Das ist ein großer Fehler und schadet dem Patienten. Durch die häufige Wiederholung der C-Potenzen können zwar gut Symptome unterdrückt werden, da die Lebenskraft aufgrund der häufigen Wiederholung der C-Potenz nicht mehr die Kraft hat, die Symptome der Krankheit an die Oberfläche zu bringen, aber oftmals folgt darauf ein schlimmeres Leiden oder die Krankheit schreitet unter der Oberfläche fort. Es gelingt zwar, z.B. sykotische Symptome, unter denen der Patient lange gelitten hat, mit häufigen Gaben der C-Potenz zu unterdrücken, doch dann schreitet die Krankheit auf eine syphilitische, destruktivere Weise fort.

Auch Hahnemann warnt in § 276 davor: "Aus diesem Grunde schadet eine Arznei, wenn sie dem Krankheitsfalle auch homöopathisch angemessen war, in jeder allzu großen Gabe und in starken Dosen um so mehr, je homöopathischer und in je höherer Potenz sie gewählt war, und zwar weit mehr als jede eben so große Gabe einer unhomöopathischen, für den Krankheitszustand in keiner Beziehung passenden (allopathischen) Arznei. Allzu große Gaben einer treffend homöopathisch gewählten Arznei und vorzüglich eine öftere Wiederholung derselben, richten in der Regel großes Unglück an. Sie setzen nicht selten den Kranken in Lebensgefahr, oder machen doch seine Krank-heit fast unheilbar. Sie löschen freilich die natürliche Krankheit für das Gefühl des Lebensprincips aus, der Kranke leidet nicht mehr an der ursprünglichen Krankheit von dem Augenblicke an, wo die allzu starke Gabe der homöopathischen Arznei auf ihn wirkt, aber er ist als dann stärker krank von der ganz ähnlichen, nur weit heftigem Arznei-Krankheit, welche höchst schwierig wieder zu tilgen ist."

Ich kenne nun schon einige Fälle, bei denen unter der Verwendung von monatelanger täglicher Gabe von C-Potenzen bösartige Tumore entstanden sind. Die Lebenskraft wurde so unterdrückt, dass die ursprünglichen Symptome, die Ausdruck der Krankheit waren, zum Schweigen gebracht wurden, aber die innewohnende Krankheit oder das zugrunde liegende Miasma wurde nicht erreicht. Deswegen warne auch ich hier an dieser Stelle alle Homöopathen, die die Meinung vertreten, es könnte nichts schaden, wenn man die C-Potenzen in chronischen Fällen täglich über Monate gibt. Es gibt nur wenige Spezialfälle bei der Behandlung von Tumoren oder bei starken Schmerzzuständen, bei denen sich das Mittel schneller verbraucht, und da darf man die C-Potenz öfters geben.

Hahnemann hatte selbst, nachdem er mit der Wirkung der C-Potenzen bei chronischen Krankheiten unzufrieden war, zu experimentieren begonnen und gab die Mittel in der C30 (§ 128 + Wiederholung der Gaben) alle sieben bis vierzehn Tage. Er kannte noch nicht die hohen Potenzen, wie sie Kent später herstellte, die mehr Wirkung zeigen und welche man meist nicht vor 35 Tagen zu wiederholen braucht (Pierre Schmidt/ Künzli). Das war aber in der Zeit um 1832-1840. Hahnemann war ein Forscher und machte Versuche mit 20,30,50 und 100 Schüttelschlägen, aber die Wirkung war zu stark. Letztlich war er mit zwei Schüttelschlägen bei der C-Potenz (1:100) zufrieden. Dr. Spinedi sagte einmal auf seinem wunderbaren Seminar über die Q-Potenzen, dass man, bevor man Hahnemann zitiert oder kritisiert, immer erst überlegen müsse, aus welcher Zeit diese Äußerungen Hahnemanns stammen. Es ergibt keinen Sinn, Postulate, die Hahnemann aufgrund neuerer Erkenntnisse selbst wieder verworfen hat, als Rechtfertigung für das eigene Tun (z.B. häufige Wiederholung der C-Potenzen) zu verwenden. Erst in seiner Praxis in Paris (1840-1843) gelang ihm der geniale Geistesblitz, wie er die Q-Potenzen herstellen konnte. Er wollte einen Tropfen der gelösten Arzneimittelsubstanz durch 500 Teile teilen.

Er benetzte 500 Globuli mit einem Tropfen der Arznei Substanz und so war es ihm gelungen, einen Tropfen in 500 Teile zu teilen. Hahnemann verwendete 1/500 eines Tropfens in 100 ml Alkohol und erhielt damit eine 1:50.000-Verdünnung. Die ganz genaue Herstellung erklärt Hahnemann im § 270 und in der Anmerkung der 6. Auflage des Organon.

Hahnemann experimentierte lange und suchte nach einem Weg, die Mittel für den Patienten verträglicher und gleichzeitig wirkungsvoller zu bekommen. Gerade bei Patienten, deren Lebenskraft aufgrund einer fortgeschrittenen Krankheit oder eines Krebsleiden so geschwächt ist, dass sie die C-Potenzen nicht mehr ertrugen. Gerade deshalb wollte er mit den Q-Potenzen die sogenannte Erstverschlimmerung vermeiden.

Es ist ganz wichtig zu begreifen, dass Hahnemann erst im Organon 6 über sein neues Dynamisationsverfahren (Dynamisieren + Dysnamisierung), die Q-Potenzen, spricht. Er hatte dieses Verfahren noch nicht entwickelt, als er die 5. Ausgabe des Organons schrieb. Ich gebe hier einige wichtige Angaben aus dem Orgonon 6 wieder, die dies verdeutlichen sollen:

Anmerkung zu § 246

1) "Was ich, um diese widrigen Reactionen der Lebenskraft zu verhüten, in der fünften Ausgabe des Organons zu diesem Paragraph in einer langen Anmerkung sagte, war alles, was meine damalige Erfahrung mir gestattete; seit den letzten 4, 5 Jahren aber, durch mein, seitdem abgeändertes, neues, vervollkommtes Verfahren (Anm: damit sind die Q-Potenzen gemeint), sind alle diese Schwierigkeiten völlig gehoben. Dieselbe wohlgewählte Arznei kann nun täglich und zwar Monate lang, wo nöthig, fortgebraucht werden; und zwar so, daß wenn der niedre Potenz-Grad binnen einer oder zweier Wochen verbraucht ist, (denn bei der, nachstellend gelehrten, neuen Dynamisations-Weise (Anm: die Q- Potenzen), fängt der Gebrauch mit den untersten Graden an) man bei Behandlung chronischer Krankheiten, in gleicher Art zu den höheren Graden übergeht."

In § 246 schreibt Hahnemann: "... doch mit der Vorsicht, daß der Potenz-Grad jeder Gabe von dem der vorgängigen und nachgängigen Gaben um Etwas abweiche, damit das, zur ähnlichen Arzneikrankheit umzustimmende Lebensprinzip, nie zu widrigen Gegenwirkungen sich aufgeregt und empört fühlen könne, wie bei unmodifiziert erneuerten Gaben, vorzüglich schnell nach einander wiederholt, stets geschieht."

Anmerkung zu § 247 ".... Man durfte daher von der, selbst bestens homöopathisch gewählten Arznei, z. B. ein Kügelchen von demselben Potenz-Grade, was zum ersten Male so wohl bekommen war, dem Kranken nicht bald darauf zum zweiten, dritten Male trocken einnehmen lassen, und wenn man von der in Wasser aufgelösten Arznei, deren erste Gabe so wohl gethan, eine gleiche, selbst kleinere Gabe zum zweiten, dritten Male aus der ruhig da stehenden Flasche genommen und sie dem Kranken eingegeben hatte, selbst nach Zwischenräumen von ein paar Tagen, so bekam ganz dieselbe Arznei dem Kranken doch nicht wieder wohl…….,"

Organon § 247 "Nun kann der Kranke durch eine solche unabgeänderte Gabe nur noch anders krank, im Grunde nur kränker werden als er schon war, indem jetzt nur diejenigen Symptome derselben Arznei zur Wirkung übrig bleiben welche für die ursprüngliche Krankheit nicht homöopathisch sind, also kann auch kein Schritt vorwärts zur Heilung, sondern nur wahre Verschlimmerung des Kranken erfolgen. Sobald man aber die folgende Gabe jedesmal in ihrer Potenz um etwas abändert, das ist, etwas höher dynamisirt, (§. 269., §. 270.) so läßt das Kranke Lebensprinzip sich unbeschwert ferner durch dieselbe Arznei umstimmen (sein Gefühl von der natürlichen Krankheit ferner vermindern) und so der Heilung näher bringen."

Anmerkung zu § 247 "Aber bei § 247,
wie ich hier lehre, findet kein Anstoß statt, selbst bei öfterer Wiederholung der Gaben, und wäre die Arznei auch noch so hoch, mit noch so vielen Schüttel-Schlägen potenziert worden. Man möchte fast sagen, daß erst unter mehreren verschiednen Formen angewandt, auch die best gewählte, homöopathische Arznei dem Lebensprincipe die krankhafte Verstimmung am besten entziehen und bei chronischen Krankheiten in ihm auslöschen könne."

Da wir bei Krebspatienten hauptsächlich mit Q-Potenzen arbeiten, ist es sehr wichtig, die Reaktionen auf die Q-Potenzen zu kennen. Ich muss sagen, dass die Bewertung der Reaktionen auf die Q-Potenzen mindestens genauso wichtig ist wie das richtige Mittel zu finden. Das erste Mittel zu finden ist meist nicht so schwierig, aber dann den Patienten über Jahre zu begleiten und immer die richtigen Mittel anzupassen, das erfordert ein unermüdliches Studium und ein exaktes Bewerten der auftretenden Symptome. Dr. Künzli hatte immer schon den Wunsch, eine Klinik zu betreiben, um schwere Pathologien und Krebs zu behandeln. Deswegen stellte er zusammen mit Pierre Schmidt eine ganze Reihe von Q-Potenzen her. Diese Q-Potenzen sind sehr gut hergestellt und Dr. Künzli hatte sie zum Glück Dr. Spinedi überlassen. Wir experimentierten in der Anfangszeit der Klinik in Orselina mit verschiedenen Q-Potenzen der Firma Schmidt-Nagel und mussten immer wieder starke Verschlimmerungen beobachten und sind dann oft von dem guten Mittel abgekommen. Bis zu dem Zeitpunkt, als Dr. Spinedi auf die eigentlich einfache, aber doch geniale Idee kam, dass die Globuli-Größe zu groß sein könnte und deswegen eine zu starke Reaktion auftritt. Wir begannen daraufhin, die Mittel in drei Bechern zu verdünnen und dann waren die Erfolge besser. Hahnemann spricht von Mohnsamenkorn großen Globuli und die von Schmidt-Nagel waren 1,6 mm groß. Heutzutage stellt die Firma Schmidt-Nagel die Q-Potenzen in der richtigen Globuligröße her (in Deutschland nach dem HAB leider nicht zulässig) und man kann sie aus dem ersten Becher verwenden. Wir nehmen in der Klinik hauptsächlich die von unserem Apotheker Gabriele Stanga aufbereiteten Q-Potenzen von Dr. Künzli, welche sehr gut wirken. Die Q-Potenzen sollten übrigens immer nur als Globuli angesetzt werden, nie als fertige Flüssigpotenzen. Dr. Künzli hatte schon mehr-fach davor gewarnt und es gibt immer noch einige Firmen, die Q-Potenzen als Flüssigarznei vertreiben. Manche Firmen sagen ihren Kunden, dass das Problem der Verschüttelung beim Transport nicht auftreten kann, wenn die Flasche bis zum obersten Rand gefüllt ist. Das ist aber ein gewaltiger Denkfehler, da sich das Medium Wasser auch aus verschiedenen Molekülen mit unterschiedlichen Molekulargewichten zusammensetzt und demzufolge darin immer eine Bewegung nachzuweisen ist. Auf meinen Seminaren bringe ich immer dieses simple Beispiel, welches aber dann doch alle überzeugt: Man füllt eine Flasche mit Wasser, in der unten ein kleiner Stein liegt, bis ganz oben mit Wasser. Man füllt so viel Wasser hinein, dass wirklich nichts mehr hinein geht und dann schraubt man den Deckel zu. So dürfte ja angeblich keinerlei Bewegung oder Verschüttelung vorkommen. Aber was passiert, wenn man die Flasche umdreht? Logisch, der Stein bewegt sich langsam in der Flüssigkeit wieder nach unten und es bewegt sich einiges in der Flasche. Genau diese Bewegung haben wir auch in den als Flüssigarznei versendeten Q-Potenzen. Mittlerweile bekomme ich von vielen guten Homöopathen, Krebspatienten überwiesen, die den Fall nicht mehr führen können. Aber ich musste in vielen Fällen feststellen, dass ich gar nicht unbedingt besser bin, sondern genau auf das gleiche Mittel komme, aber das Mittel war als Q-Potenz nicht korrekt hergestellt und das war der Punkt. Ich erinnere mich an einen konkreten Fall, in dem eine Patientin mit Brustkrebs und Lungenmetastasen zu mir kam und berichtete, dass ihre Lungenmetastasen mit Phosphor in Q-Potenzen zurückgegangen sind und als sie die höheren Potenzen bekommen hatte, sind die Metastasen wiedergekommen. Dann wurde das Mittel gewechselt und der Fall lief nicht mehr so gut. Ich nahm nun alle Symptome auf, kam auch wieder auf Phosphor und gab es in Q-Potenzen von Dr. Künzli-Stanga und die Metastasen sind ganz verschwunden. Es ist so wichtig, dass unsere Heilmittel optimal hergestellt sind. Was nützt uns denn sonst das intensivste Studium der Arzneien, wenn die Wirkung der Mittel nicht die ist, die wir uns erhoffen, weil das Mittel nicht korrekt hergestellt ist? Und dann werden wir natürlich auf andere Mittel wechseln und der "Fall" ist verloren.

Deswegen kommen wir nun zu einem sehr wichtigen Kapitel über die Bewertung der Reaktionen auf die Q-Potenzen. Das ist eigentlich genauso wichtig wie das Mittel zu finden. Und leider kennen nur wenige Anwender der Q-Potenzen diese Reaktionsbeurteilung. Ich hoffe, das folgende Kapitel wird dazu beitragen, dass in Zukunft viele Patienten optimal / bestmöglich behandelt werden.

Die Bewertung der Reaktionen auf Q-Potenzen, mögliche Reaktionen nach Q-Potenz-Gabe.
Anwendungsregeln für Q-Potenzen, Merkblatt für Patienten Herstellung der Stammlösung.




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