Anja Trinklein
Heilpraktikerin
Praxis für Klassische Homöopathie

Pierre Schmidt

Photo Courtesy of Homéopathe International
Quelle: Homéopathe International 2001

Biografie

*22.Juli 1894 bei Neuchatel, Schweiz, †15.Oktober 1987 in Tence, Haute-Loire, Frankreich

Pierre Schmidt ging nach abgeschlossenem Studium der Medizin zunächst nach London. Dort sammelte er bei Henry Clarke, Sir John Weir und Margret Tyler erste Kenntnisse der homöopathischen Lehre und nahm an Konsultationen am „Royal London Homoeopathic Hospital“ teil. Danach reiste er in die Vereinigten Staaten von Amerika.

Mit Empfehlungsschreiben Clarkes und Weirs wurde er in New York von Alonzo Austin, einem Schüler Kents und Arzt von John Rockefeller in der Lehre Kents und in Materia Medica unterrichtet.

Er konnte James Tyler Kent nicht mehr persönlich kennenlernen, da dieser im Jahre 1916 verstorben war.

Nach einem halben Jahr interessanter und lehrreicher homöopathischer Ausbildung empfahl Dr. Austin seinem Schüler Schmidt, nach Philadelphia zu Dr. Frederica E. Gladwin zu gehen, die ebenfalls eine Schülerin Kents war. Durch die intensive Unterrichtung durch diese beiden hervorragenden Lehrer wurde Pierre Schmidt zu einem der bedeutendsten Homöopathen seiner Zeit.

Er kehrte nach Europa zurück und besuchte bei dieser Gelegenheit das Grab Samuel Hahnemanns auf dem Friedhof Père Lachaise in Paris, um als Zeugnis seiner Verehrung des Begründers der Homöopathie einen Strauß Blumen niederzulegen.

Als gut ausgebildeter Kentianer eröffnete Dr. Pierre Schmidt 1921 eine gut besuchte homöopathische Praxis in Genf und heiratete eine Frau, mit der zusammen er ein Labor zur Herstellung traditioneller homöopathischer Arzneimittel betrieb. Schmidt, der fließend französisch, englisch und deutsch sprach, übersetzte die Werke James Tyler Kents und förderte dessen Lehre entscheidend. Durch seine Übersetzungen und eigene Veröffentlichungen erlangte er schnell einen internationalen Ruf.

Er war Mitbegründer der Internationalen Liga homöopathischer Ärzte (Liga Medicorum Homoeopathica Internationalis, LMHI), wodurch er maßgeblich dazu beitrug, dass der Niedergang der europäischen Homöopathie aufgehalten wurde. Zur Zeit ihrer Gründung gehörten der Liga nur wenige promovierte Ärzte an, die Lehre Hahnemanns wurde meist von medizinischen Laien betrieben. Durch die Aktivitäten der LMHI fand ein reger Austausch von Meinungen statt, was der klassischen Homöopathie in der Schweiz, Deutschland, Frankreich und Italien zu neuem Ansehen verhalf. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab er den Anstoß zu einem weiteren Forum, dem „Groupement Hahnemannien“, was zu einem weiteren Erstarken der Bewegung durch persönliche Kontakte und Meinungsaustausch zwischen Homöopathen verschiedener Länder beitrug.

Dr. Pierre Schmidt war der Überzeugung, dass die Heilung seiner Patienten nur erreicht werden kann, wenn die Harmonie zwischen Fühlen, Denken und Handeln hergestellt werden kann.

Er war ein Arzt und Lehrer, der seinen Schülern die Notwendigkeit von genauen Kenntnissen der Homöopathie, aber auch der Schulmedizin deutlich machte. Darüber hinaus forderte er aber auch Kenntnisse der Akupunktur, der Semiotik, der Morphopsychologie und der Iridologie (Augendiagnostik).

Von großer Bedeutung war die Gründung des „Groupement hahnemannien de Lyon“ welches von 1946 bis 1978 bestand. Die Erkenntnisse dieser Arbeitsgruppe wurden in einer monatlich erscheinenden Schrift, „Cahiers du Groupement hahnemannien de Lyon“ veröffentlicht.

Über Dr. Adolf Vögeli und Dr. Jost Künzli von Fimmelsberg bekam Schmidt auch Kenntnis von den so genannten Q-Potenzen und war ebenfalls von der Wirksamkeit dieser Anwendungen überzeugt. Dr. Künzli und Dr. Schmidt haben die wichtigsten Heilmittel in diesen Potenzen eigenhändig hergestellt. Dr. Dario Spinedi, Leiter der „Clinica Santa Croce“ in Orselina, im schweizer Kanton Tessin, ein Schüler Dr. Künzlis, hat seine Therapien zum größten Teil auf die Behandlung mit Q-Potenzen aufgebaut.

Außerhalb seiner ärztlichen lehrenden Tätigkeiten suchte Dr. Pierre Schmidt Entspannung im Theater, in der Literatur, der Musik, der Malerei und der Kunst des Teppichknüpfens. Um seinen Körper fit zu halten, unternahm er anspruchsvolle Touren in den Schweizer Bergen, und er war ein guter Skifahrer.

Noch im hohen Alter gründete Pierre Schmidt mit eigenem Geld eine Stiftung, die sein Werk fortsetzen soll.

Nach über 50jähriger ärztlicher Tätigkeit und Lehre der Homöopathie hatte sich Pierre Schmidt 1978 zu engen Freunden nach Tence (Haute Loire) zurückgezogen, um sein Leben in Ruhe zu beschließen.

Dr. Pierre Schmidt ist am Nachmittag des 15. Oktober 1987 in seinem 94. Lebensjahr sanft entschlafen. Seine Schüler verbreiteten seine Lehre in Europa, Lateinamerika und auf dem indischen Subkontinent.

Pierre Schmidt und vor allem sein Schüler Dr. Jost Künzli von Fimmelsberg verbreiteten unter den deutschsprachigen Homöopathen die amerikanische Art, diese Heilkunst anzuwenden, sowie den praktischen Umgang mit Kents Repertorium. Hahnemanns Lehre erlebte somit eine Renaissance, wenn auch mit modifizierten Vorstellungen. Auf jeden Fall hat das, was Dr. Pierre Schmidt seine Schüler lehrte, eine größere Nähe zu Hahnemanns Erkenntnissen, als die zu dieser Zeit weit verbreiteten Behandlungsmethoden, die sich zwar homöopathisch nannten, mit der Lehre Hahnemanns jedoch wenig gemeinsam hatten.

Auf seinen zahlreichen Reisen um die ganze Welt lernte Schmidt viele Homöopathen kennen, und er stellte fest, dass die kompetentesten, erfolgreichsten und bei ihren Patienten beliebtesten Kollegen immer Schüler Hahnemanns oder Kents waren. Diese Erfahrung bestärkte ihn darin, dass die Lehre dieser beiden Meister der Homöopathie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden muss und niemals in Vergessenheit geraten darf.

Dr. Pierre Schmidt hat der „Klassischen Homöopathie“ wieder zu ihrem gebührenden Ansehen verholfen.


Veröffentlichungen (Auszug):

La sixième édition de "l'Organon"
Maladies Chroniques de Hahnemann.
Les "Lectures" de J. T. Kent
Les Conférences de Kent sous la forme d'un ouvrage intitulé "L'Art et la Science de l'Homœopathie".




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