Anja Trinklein
Heilpraktikerin
Praxis für Klassische Homöopathie

Dr. Proceso Sanchez Ortega

Biografie

*02. Juli 1919 in Tulancingo de Bravo, †16. Oktober 2005 in Mexico-City

Proceso Sanchez Ortega war ein Mexikanischer Homöopath. Er wurde geboren am 02. Juli 1919 in Tulancingo de Bravo, Hidalgo, als Sohn des Jesús Sánchez und dessen Ehefrau Enriqueta Ortega. Die Familie lebte in bescheidenen Verhältnissen. Als sein Vater starb, hinterließ er seine Witwe mit den drei Kindern Alberto, fünfzehn, Angel, sechs und Proceso, der gerade ein Jahr alt war. Doña Enriqueta hatte alle Hände voll zu tun, um ihre drei Kinder großzuziehen und ihnen eine ordentliche Ausbildung zu ermöglichen. Nur durch die unermüdliche Schaffenskraft und die liebevolle Zuneigung seiner Mutter konnte Proceso eine Schule besuchen und später zu jenem berühmten Homöopathen werden.

Proceso war ein guter Schüler. In der vierten Klasse gewann er sogar einen Mathematik-Wettbewerb und wurde vom Gouverneur ausgezeichnet. Seine Freizeit verbrachte er oft bei seinen Tanten, die Lehrerinnen waren und den Jungen vergötterten. Er war ein braver Junge, sehr religiös und er träumte davon, ebenfalls Lehrer zu werden.

Nach der Grundschule musste sich Proceso entscheiden: Sollte er wirklich zur weiteren Ausbildung nach Mexico-City gehen und in dieser, sowohl politisch als auch sozial instabilen Großstadt allein leben? Auf dringendes Zureden seiner Tanten, seiner Lehrer und des Priesters Canon Manuel Ceballos entschloss er sich mit 13 Jahren, zur weiteren Ausbildung allein und ohne familiäre Begleitung, in die Hauptstadt zu gehen.

Während seines Schulbesuchs erkrankte seine Mutter zu Hause in Tulancingo. Nachdem die Bemühungen allopathischer Ärzte keine Erfolge brachten, konsultierte sie Dr. Eulalio Flores Dario Velasquez, einen homöopathischen Arzt. Als sie durch dessen Behandlung Heilung ihrer Leiden erfuhr, machte das auf den jungen Proceso Sanchez Ortega gewaltigen Eindruck.

Er setzte seine Studien an der Freien Schule der Homöopathie fort und erhielt nach seinem Abschluss eine lobende Erwähnung für seine Leistungen als Student.

1938 folgte Dr. Ortega seiner Berufung und beginnt sein Medizinstudium an der „Escuela Libre de Homeopatia de Mexico“ der Freien Schule der Homöopathie in Mexico-City, eine Entscheidung, die sein weiteres Leben bestimmen sollte.

In diesem bescheidenen Gebäude entwickelte er sich zu einem der bekanntesten Homöopathen des Landes und des gesamten Kontinents. Er liebte die Menschen und seine Patienten wussten seine Hingabe und seine fundierten Kenntnisse der menschlichen Bedürfnisse zu schätzen. 1944 promovierte er mit seiner Dissertation „Natur und Homöopathie.“

Aufgrund seiner herausragenden Leistungen bietet man ihm unverzüglich eine Stelle als Dozent an, die er über 20 Jahre lang innehatte.

Er bildete sich weiter, indem er ein Schüler jenes berühmten Homöopathen Dr. Eulalio Dario Flores wurde, der seinerzeit erfolgreich Procesos Mutter behandelte.

Am 15. Januar 1945 heiratete er seine Freundin Rebecca Ritter Cuevas, Krankenschwester und Hebamme an der „Escuela Libre de Homeopatia de Mexico.“ Sie bekamen 8 Kinder. Die älteren vier wurden ebenfalls homöopathische Ärzte.

1960, als die Qualität der Ausbildung an der „Escuela Libre de Homeopatia de Mexico“ seinen Ansprüchen nicht mehr genügte, gründete er seine eigene Schule „Homeopatia de Mexico“, deren Leitung er zunächst in die eigenen Hände nahm und bis zu seinem Tode maßgebenden Einfluss auf Lehrplan und Unterricht hatte.

Neben seiner homöopathischen Arbeit studierte Ortega auch Philosophie und versuchte auf pragmatische Weise die daraus resultierenden Erkenntnisse mit der Homöopathie in Einklang zu bringen. Er distanzierte sich dabei eindeutig von simplizifierenden oder mystizifierenden Tendenzen.

Er hat Kurse und Seminare in zahlreichen Ländern Europas, Asien und Amerika gehalten, Argentinien, Belgien, Brasilien, Deutschland, Ecuador, Frankreich, Griechenland, Indien, Italien, Kolumbien, Kuba und vielen anderen. Zwischen 1992 und 1995 war er dreimal auf Teneriffa um Verbindungen zwischen den dortigen Homöopathen und dem Rest der Welt zu knüpfen.

Als strenger Verfechter der reinen Lehre Samuel Hahnemanns, verteidigte er dessen intensive Anamnese und genaue Unterscheidung der Krankheitssymptome. Er studierte insbesondere Hahnemanns Miasmenlehre. (verlinken) Mit der praktischen Anwendung dieser Lehre, die Dr. Ortega auf zahlreichen Seminaren und internationalen Kongressen vorstellte, erfuhr er große internationale Anerkennung.

Studien berühmter Kollegen wie Allen, Kent, Roberts und Trousseau, sowie die Forschungen von Carl Gustav Jung veranlassten Ortega, sich intensiv mit Hahnemanns Ausführungen zum Thema Miasmen zu befassen und Hahnemanns Erkenntnisse in anschaulicher Weise der Nachwelt zugänglich zu machen.

Man kennt in der Homöopathie die drei Miasmen Psora, Sykosis und Syphilis, die laut Hahnemann mit Mangel, Überfluss und Perversion gleichzusetzen sind.

Zur Erleichterung der klinischen Anwendung ordnete Dr. Ortega den drei Miasmen Farben zu: Blau für Psora, gelb für Sykosis und rot für Syphilis. Er fand heraus, dass die Miasmen beim Menschen keine durch Vererbung erworbene Schwäche darstellen, sondern eine Gesundheitsstörung, die durch die körperliche Verfassung des Patienten zum Ausbruch kommt.

Dr. Proceso Sanchez Ortega verlangte seinen Schülern, wie sich selbst Vieles ab. Kaum dass er sich einmal Urlaub gönnte. Gegenüber seinen Patienten jedoch zeigte er großes Mitgefühl, was er auch seinen Schülern immer wieder nahe legte.

Als Dr. Proceso Sanchez Ortega am 16. Oktober 2005 mit 84 Jahren starb, betrauerten Kollegen, Patienten und Schüler einen charismatischen Lehrer, dem es immer gelang, seinen Zuhörern auf anschauliche Weise die homöopathische Heilkunst nahe zu bringen. Als langjähriger Vizepräsident der „Liga Medicorum Homoeopathica Internationalis“ gestaltete er die Geschicke dieses Weltverbands mit.

Dr. Proceso Sanchez Ortega wurde auf dem Städtischen Friedhof seines Heimatortes Tulancingo beigesetzt.


Veröffentlichungen (Auswahl):

Anmerkungen zu den Miasmen oder chronischen Krankheiten im Sinne Hahnemanns, 1987, Proceso Sanchez Ortega
Die Lehre der Homöopathie, 2002, Proceso Sanchez Ortega
Die Miasmenlehre Hahnemanns – Diagnose, Therapie und Prognose der Chronischen Krankheiten 6. Auflage 2005, Proceso Sanchez Ortega




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