Anja Trinklein
Heilpraktikerin
Praxis für Klassische Homöopathie

Dr. Margaret Tyler

Photo Courtesy of Homéopathe International
Quelle: Homéopathe International 2001

Biografie

*1857, †21. Juni 1943

Margaret Lucy Tyler war die Tochter von Sir Henry Whatley Tyler, (1827 – 1908), einem Offizier der britischen Armee (Royal Engineers), der nach seinem militärischen Abschied weiterhin als Eisenbahninspektor in staatlichen Diensten stand. Er war überzeugter Anhänger der homöopathischen Heilkunst und spendete große Geldbeträge für den Ausbau des "London Homeopathic Hospital"

Er hatte acht Söhne und drei Töchter, wovon er eine, Margaret, ebenfalls für die Homöopathie begeistern konnte. Kurz vor seinem Tod, als ein neu gebauter Flügel des Londoner Homöopathischen Hospitals, der maßgeblich von ihm finanziert war, seiner Bestimmung übergeben wurde, sagte er zu seiner Tochter: "Ich habe meinen Teil getan, jetzt musst du das deine tun."

Margaret, die zu der Zeit schon um die 40 Jahre alt war, studierte Medizin an den Universitäten von Edinburgh und Brüssel und wurde zu einer der einflussreichsten Homöopathen der damaligen Zeit. Sie wurde eine enge Mitarbeiterin von John Henry Clarke und teilte dessen Abneigung gegen die "herkömmlichen Mediziner", die mehr ihr eigenes Wohlergehen, als das ihrer Patienten im Auge hatten. Am "Royal London Homeopathic Hospital" arbeitete und lehrte sie 40 Jahre lang, bis zu ihrem Tod. Ihr Spezialgebiet war die Behandlung geistig behinderter Kinder, um die sie sich aufopferungsvoll kümmerte.

Sie hielt gut besuchte Vorträge und führte für Studenten, die ihre Vorlesungen nicht persönlich besuchen konnten, ein Fernstudium ein. Auch ein Lehrbuch, "Homeopathic Drug Pictures", welches das Studium der Materia Medica erleichterte und die Arzneien in klaren, verständlichen Worten beschreibt, geht auf Margaret Tyler zurück.

Von 1908 bis 1913 war sie in Chicago, um bei Dr. James Tyler Kent Homöopathie zu studieren. Obwohl sie diesen großen Verfechter der Ideen Samuel Hahnemanns nicht persönlich getroffen hatte, sondern nur schriftlich mit ihm in Kontakt war, wurde sie seine begeisterte Schülerin und trug nach ihrer Rückkehr entscheidend zur Verbreitung seiner Lehre in England bei.

Wie es bereits ihre Eltern taten, unterstützte auch Margaret Tyler junge Ärzte und finanzierte über eine Stiftung deren homöopathisches Studium bei Dr. James Tyler Kent in Amerika.

Wie John Henry Clarke befürchtete auch Margaret Tyler eine schleichende Abkehr von der Lehre Samuel Hahnemanns, den sie als "Urquell" der Homöopathie verehrte. Sie kritisierte die mangelnde Fortbildung nach Ende des Studiums. Mit der Finanzierung dieser Stipendien versuchte sie, diesem Trend entgegen zu wirken.

Auch Dr. Margaret Tyler gab ihr homöopathisches Wissen an Laien ohne medizinischen Hintergrund weiter, was sich wegen ihrer leicht verständlichen Schriften großer Beliebtheit erfreute. Es ist wahrscheinlich, dass das Konzept der "konstitutionellen Verschreibung" im heutigen Sinn auf Margaret Tyler und ihre Mitarbeiter zurück zu führen ist.

Ein heute noch aktuelles Werk von Margaret Lucy Tyler ist "Wichtige Krankheitszustände und ihre homöopathischen Mittel" in welchem sie die erfolgreiche Behandlung schwerer Infektionskrankheiten, wie Diphterie, Pocken, Masern, Windpocken, Scharlach, Typhus, Cholera und auch Influenza beschreibt. Die medizinisch wertvollen Hinweise in diesem Buch werden bis heute von homöopathischen Ärzten beachtet und mit Erfolg angewendet.

Dr. Margaret Tyler und einige andere Homöopathen, wie Dr. John Henry Clarke, Sir John Weir und Robert Gibson Miller verwiesen immer wieder darauf, wie wichtig eine umfassende Anamnese bei der Suche nach der richtigen Arznei für eine dauerhafte Heilung ist. Sie betrachtete diese als vorrangige Aufgabe eines Homöopathen.

Der Einsatz von Nosoden war zu Margaret Tylers Zeit in England schon üblich. Margaret Tyler jedoch verteidigte die Anwendung ansteigender Potenzen (30, 200, 1M, 10 M) der Nosoden Diphtherinum, Morbillinum, Varicellinum etc. über einen Zeitraum von wenigen Tagen, oder sogar nur Stunden. In ihrer Schrift "How Not to Practice Homeopathy" schrieb sie: "Ohne die richtige Philosophie kann man genauso gut aufhören zu behandeln."

Dr. Margaret Lucy Tyler behandelte trotz altersbedingt nachlassender Kräfte noch täglich ihre Patienten. Sie starb unerwartet am 21. Juni 1943 im Alter von 86 Jahren. Am Tag vor ihrem Tod arbeitete sie noch im Krankenhaus.

Es sind folgende Worte Margaret Tylers überliefert, die sie kurz vor ihrem Tod im Kreise von Kollegen und Freunden sprach:

"Am Ende des Lebens werden wir nicht gefragt, wie viel Freude wir hatten, sondern wie wir anderen Menschen gedient haben., nicht, wie viel Erfolg wir hatten, sondern wie viel Opfer wir gebracht haben, nicht, wie glücklich, sondern wie nützlich wir waren."

Dr. Margaret Lucy Tyler gebührt das Verdienst, dass sie in einer Zeit, als viele britischen Homöopathen sich von der reinen Lehre entfernten, in Treue die Thesen Samuel Hahnemanns verteidigte und somit zur Wiederbelebung der homöopathischen Heilkunst beitrug.


Veröfffentlichungen: (Auswahl)

Pointers to the Common Remedies, M. L. Tyler
Homöopathische Arzneimittelbilder, Margaret L. Tyler, 2011
Praxisleitfaden Homöopathie, Margaret L. Tyler, 2013
Wichtige Krankheitszustände und ihre homöopathischen Mittel, M. L. Tyler, 1991




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