Anja Trinklein
Heilpraktikerin
Praxis für Klassische Homöopathie

Dr. med. Constanin Hering

Photo Courtesy of Homéopathe International
Quelle: Homéopathe International 2001

Biografie

*01. Januar 1800 in Oschatz (Sachsen) † 23. Juli 1880 in Philadelphia, Pa., USA

Constanin Hering wird als Sohn des stellvertretenden Schuldirektors, Organisten und Komponisten Carl Gottlieb Hering und seiner Frau Christiane Friderike geboren. Er ist eins von 13 Kindern des Ehepaars.

Nach seiner Schulzeit in Zittau beginnt er 1817 ein Medizinstudium an der Akademie für Chirurgie in Dresden. Ab 1820 ist er ein Student und Assistent von Dr. Jakob Heinrich Robbi (25.10.1779 – 18.04.1833), anfänglich ein Anhänger, später jedoch ein erbitterter Gegner der Homöopathie.

Der Leipziger Verleger Baumgärtner beauftragt Robbi, eine Abhandlung über den „Irrweg“ der Homöopathie zu verfassen. Robbi überträgt diese Aufgabe an seinen Mitarbeiter Hering. Während dieser mit seinen Studien beginnt, entzündet sich seine Hand wegen einer schweren Infektion. Die Schulmediziner wollen die Hand amputieren, um eine weitere Ausbreitung der Infektion zu verhindern. Durch eine homöopathische Behandlung mit Arsenicum album wurde die Hand jedoch wieder vollständig geheilt. So wurde aus Hering ein glühender Anhänger der Homöopathie. Baumgärtner lässt sich ebenfalls von der Wirksamkeit dieser Heilmethode überzeugen und veröffentlicht später Bücher zu diesem Thema.

Hering befürchtet wegen seines Sinneswandels Repressalien seiner Professoren und begibt sich an die Universität Würzburg wo er im März 1826 promoviert. Seine Dissertation trägt den Titel „De medicina futura“ („Über die Medizin der Zukunft“).

Durch die Vermittlung des Blochmann-Instituts schifft er sich 1827 mit seinem Kollegen Weinhold nach Suriname in Südamerika ein. Er wurde Leibarzt des dortigen Gouverneurs und Leiter einer Leprastation. Der in Deutschland geborene Missionar George Henry Bute ließ sich durch Hering ebenfalls für die Homöopathie begeistern und untersuchte mehrere Pflanzen auf ihre Verwendbarkeit für die Homöopathie. Hering führte zahlreiche Arzneimittelprüfungen durch, unter anderem die Prüfung des Giftes der Schlange Lachesis muta (Südamerikanischer Buschmeister, mit 2,5 bis 3 m Länge die größte Giftschlange Amerikas, veröffentlicht in „Stapf’s Archiv“) Hering wird die Einführung der Schlangengifte und der sogenannten „Nosoden“ in die Materia medica zugeschrieben. Bei den Nosoden handelt es sich um pathologisches Material (Blut, Eiter, Krankheitserreger, Krebszellen), welches das Immunsystem oder kranke Organe stimulieren soll. Hierdurch sollen Giftstoffe ausgeschwemmt und Krankheiten geheilt werden.

1833, Hering hatte sich zu dieser Zeit in Paramaribo niedergelassen, brach in Philadelphia eine Cholera-Epidemie aus. George Henry Bute, der inzwischen aus gesundheitlichen Gründen Suriname verlassen hatte, bat Hering um Hilfe. Dieser eilte herbei und bekämpfte die Seuche erfolgreich.

Im gleichen Jahr noch kehrte er für kurze Zeit in die Heimat zurück und reiste dann nach Philadelphia, wo er an der Gründung der „North American Academy of Homoeopathic Healing Art“, des „Homoeopathic Medical College of Pennsylvania“ und des Hahnemann Medical College of Philadelphia“ beteiligt war.

Obwohl sich Hahnemann und Hering nie persönlich begegnet sind, herrschte zwischen ihnen große gegenseitige Hochachtung. Sie standen in engem Briefkontakt. Nach Hahnemanns Tod, als dessen Witwe durch die Missgunst der Pariser Ärzteschaft ihre Praxis nicht weiterführen konnte, stellte Hering in Anerkennung der Leistungen Melanie Hahnemanns das Diplom aus, welches sie zur Fortführung ihrer Praxis befähigte.

Hering reiste in den Jahren 1845 bis 1846 erneut nach Europa, bevor er wieder nach Philadelphia zurückkehrte. Um 1870 geriet er in Streit mit seinem ehemaligen Schüler Adolph Lippe über die reine Lehre der Homöopathie. Während Hering auch die Allopathie, die verschiedene Meinungen in den Behandlungsmethoden zulässt und gegeneinander abwägt, als zumindest diskussionswürdig erachtete, vertrat Lippe die Ansicht, dass die Homöopathie nach Hahnemann auf feststehenden, fundamentalen Prinzipien und Gewissheiten beruht, die keine Interpretations- und Modifikationsmöglichkeiten bieten. Die beiden versöhnten sich jedoch 1876 wieder.

Durch eigene Erfahrung kam Hering zu der Erkenntnis, dass in vielen Gegenden keine ausreichende und vor allem schnelle ärztliche Hilfe zu erwarten war. Er verfasste deswegen eine Schrift, die man aus heutiger Sicht als Erste-Hilfe-Handbuch bezeichnen könnte. Ohne die Notwendigkeit ärztlicher Hilfe in Frage zu stellen, war dieses Buch einerseits ein nützlicher Ratgeber bei „einfacheren“ Erkrankungen, zu deren Behandlung ein Arzt nicht unbedingt erforderlich ist, andererseits gab es wertvolle Ratschläge für den Laien, was bei plötzlich auftretenden, schweren Krankheiten bis zum Eintreffen eines Arztes zu tun sei. (The Homoeopathist or Domestic Physician, Allentown 1835)

Constanin Hering verstarb am 23. Juli 1880. Er war der Vater von Rudolph Hering, dem Begründer der modernen Umwelttechnik.

Auf Hering ist die Einführung der Schlangengifte und der „Nosoden“ in die Materia medica zurückzuführen. Er hat neue Erkenntnisse in der Homöopathie gewonnen, die nach ihm „Heringsche Regel“ oder Heringsches Gesetz“ genannt wurden, eine Beurteilungsmethode für den Verlauf einer homöopathischen Behandlung. Danach werden die Symptome chronischer Erkrankungen „von oben nach unten“ und „von innen nach außen“ behandelt, also von den lebenswichtigeren zu den weniger lebenswichtigeren Organen. Die Heringsche Regel wird heute, wie auch die Ähnlichkeitsregel zu den wichtigsten homöopathischen Theorien gezählt.

Die in Deutschland oft angewendeten D-Potenzen und das homöopathisch genutzte Glonoium, das in der Schulmedizin als Nitroglyzerin eingesetzt wird, gehen ebenfalls auf Hering zurück.


Veröffentlichungen:

The Homoeopathist or Domestic Physician, Allentown 1835
Wirkungen des Schlangengiftes / zum ärztlichen Gebrauche vergleichend zusammengestellt durch Constanin Hering, Allentown (Pa.) Blumer, 1837. Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landes-bibliothek Düsseldorf
Materia Medica with a pathological Index, New York 1873
Analytical Therapeutics, New York 1875
Condensed Materia Medica, New York 1877
The Guiding Symptoms of Our Materia Medica, 1879 - 1891
Homöopathischer Hausarzt ISBN 3-933581-09-5
Constanin Hering's Homöopathischer Hausarzt : nach den besten homöopathischen Werken und eignen Erfahrungen bearbeitet mit einer Anweisung zur Lebensordnung und zum Berichterstatten und einem Arzneinachweiser. - 17. Aufl. ; durchgesehen und bereichert. - Stuttgart : Frommann, 1893. Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
Gesammelte medizinische Schriften in drei Bänden. Hrsg. von K.-H. Gypser. Göttingen 1988


Lesenswertes:

"Die milde Macht ist groß -Aus dem Leben und Werk des Homöopathen Constanin Hering"




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