Anja Trinklein
Heilpraktikerin
Praxis für Klassische Homöopathie

Dr.Henry Guernsey

Photo Courtesy of Homéopathe International
Quelle: Homéopathe International 2001

Biografie

*10. Februar 1817 Rochester, Vermont, †27. Juni 1885

Sein Vater war Joseph Guernsey, ein geachteter Friedensrichter, der bei seinen Nachbarn als ein Mann von beispielhaftem Lebenswandel galt. Seine Mutter, Phoebe Jefferson, war eine Verwandte des ehemaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Thomas Jefferson. Durch sie wurde er in der Überzeugung erzogen, dass alle Menschen frei geboren sind, unabhängig von ihrer Hautfarbe.

Mit 21 Jahren, nachdem er seine Ausbildung an der "Royalton Academy" beendet hatte, ging er nach Darby in der Nähe von Philadelphia in Pennsylvania und begann ein Medizinstudium bei Dr. A. E. Small, welches er 1842 an der New York University abschloss. (Nach anderen Quellen geschah dies im Frühjahr 1844) Als Doktor der Medizin praktizierte er in New York City, begab sich jedoch schon bald nach Frankford, Pennsylvania, wo er 13 Jahre lang eine große Praxis unterhielt. 1846 wurde er Mitglied des "American Institute of Homeopathy".

Im gleichen Jahr heiratete er Statira Collourn aus Boston, eine Nachfahrin des berühmten Urian Oakes, Präsident der Harvard University. Mit ihr hatte er eine Tochter und zwei Söhne.

1856 zog er nach Philadelphia und wurde Professor für Geburtshilfe und Krankheiten von Frauen und Kindern am „Homeopathic Medical College of Pennsylvania“. Diese Professur hatte er acht Jahre inne und war in den letzten vier Jahren Dekan dieser Fakultät. Von seinen Studenten wurde er sehr verehrt und von seinen Kollegen respektiert. Er war ein glühender Verehrer Samuel Hahnemanns und brachte seinen Schülern mit innerer Überzeugung die Lehren des Begründers der Homöopathie nahe. Er war der Vorreiter für die Anwendung von alleinigen Heilmitteln und den sogenannten Hochpotenzen.

1861 wurde im die Würde eines Ehrenmitglieds des „Hahnemann Medical Institute“ zuteil. Das von Guernsey propagierte „Key-Note-System“, das in seinen Ursprüngen auf die Erfahrungen Clemens von Bönninghausens aufbaute, wurde zur Grundlage der homöopathischen Heilbehandlung. Seine Vorträge über das „Key-Note-System wurden zunächst als Beiblatt des „American Journal of Homeopathic Materia Medica“ veröffentlicht und später von seinem Sohn, Dr. J. C. Guernsey in Buchform herausgegeben.

Dr. H. N. Guernsey war spezialisiert auf Geburtshilfe, Gynäkologie und Kinderkrankheiten. Er veröffentlichte 1867 das Buch „The Application of the Principles and Practice of Homeopathy to Obstetrics and the Disorders peculiar to Women and Young Children”.

Seine Fähigkeiten waren allgemein anerkannt, und sein Geschick bei der Geburtshilfe führte zu einer gut besuchten Praxis.

Danach gab es von Guernsey im Selbstverlag herausgegebene Flugblätter, sowie Artikel in allen führenden homöopathischen Zeitschriften. 1868 wurde er Ehrenmitglied der „Hahnemannia Society“ und 1870 widerfuhr ihm die gleiche Ehre durch die „Cumberland County Homeopathic Medical Society of Pennsylvania“.

1871 hielt er es für seine Pflicht, den Lehrstuhl für Materia Medica anzunehmen, der ihm von den Professoren des „Hahnemann Medical College of Philadelphia“ höflich, aber mit Nachdruck angeboten wurde. So wurde er abermals in seine alte Position als Dekan der Fakultät gewählt.

Dr. Guernsey hat sich mit seinen nunmehr 55 Lebensjahren einen Großteil seiner jugendlichen Elastizität und Begeisterung für seinen Beruf bewahrt. Er ist sehr kinderlieb und bei seinen jungen Patienten immer herzlich willkommen. Er arbeitet mit Überlegung, und ist immer auf der Suche nach neuen, besseren Methoden der Linderung und Heilung von Krankheiten. Seine jungen Kollegen fanden in ihm immer einen aufmerksamen Zuhörer, der ihnen mit seinem Wissen und seiner Erfahrung stets hilfreich mit Rat und Tat zur Seite stand.

35 Jahre unermüdlicher Einsatz für seine Patienten und Studenten hinterließen Spuren bei Dr. Guernseys Gesundheit. 1879 machte er zusammen mit seiner Frau eine Europareise. Auf dieser ausgiebigen Tour besuchte er die wichtigsten Länder des alten Kontinents und kehrte 1880 nach Amerika zurück. Von Juli bis November 1882 begab er sich abermals nach Europa und besuchte Deutschland. Im Februar 1883 erkrankte er schwer an Diabetes und war für mehrere Monate sehr niedergeschlagen. Kaum ging es ihm besser, betrieb er wieder seine Praxis und widmete sich der homöopathischen Literatur. Den Winter 1884/1885 hindurch ging er täglich aus dem Haus, egal wie das Wetter war. Im Frühjahr 1885 wurde er schwächer und schwächer. Am 30. April 1885 reiste er nach New York, um sich etwas Ruhe zu gönnen und um seinen Sohn zu besuchen.

Während dieses Aufenthaltes unterzog er sich erstmals einer gründlichen Untersuchung seines Gesundheitszustandes, welche von Dr. John W. Dowling durchgeführt wurde. Dr. Dowling diagnostizierte Tuberkulose im fortgeschrittenen Stadium und damit unheilbar. Er empfahl eine umgehende Heimreise, „bevor es zu spät sei“, und Dr. Guernsey folgte seinem Rat. Im Mai und Juni verschlechterte sich sein Zustand und er befand sich die meiste Zeit in einem Dämmerzustand, unterbrochen von heftigen neuralgischen Schmerzen im Kopf und im linken Auge. Am Morgen des 27. Juni 1885 schloss Dr. Henry Newell Guernsey für immer die Augen.

An der Trauerfeier in der „Church of the New Jerusalem“, dessen Mitglied er war, nahmen alle namhaften Kollegen der homöopathischen Institute teil, bei denen er in den unterschiedlichsten Ämtern tätig war. Er wurde, wie er es wünschte, auf dem West Laurel Hill Cemetery beigesetzt. Nach seinem Tod wurden zahlreiche Gedenkfeiern abgehalten, in welchen ihm die Größen der homöopathischen Heilkunde die letzte Ehre erwiesen.


Literatur:

Homöopathie in Gynäkologie und Geburtshilfe, H. N. Guernsey, 664 Seiten, gebunden, erschienen 2010, ISBN: 978-3-939931-44-7
Principles and Practice of Homoeopathy in Obstetrics and Paediatrics, H. N. Guernsey, 762 Seiten, gebunden, erschienen 2005, ISBN: 978-81-7021-067-2
Keynotes to the Materia Medica, H. N. Guernsey, 264 Seiten, Taschenbuch, erschienen 2005, ISBN: 978-81-7021-487-8




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