Anja Trinklein
Heilpraktikerin
Praxis für Klassische Homöopathie

Organon - Index

Einführung in Hahnemanns Organon

AUDE SAPERE

Wage es, vernünftig zu sein.

Diesen Leitspruch der Aufklärung hat Samuel Hahnemann seinem Lebenswerk "Organon der Heilkunst" vorangestellt. Er geht zurück auf ein Zitat des römischen Dichters Horaz.

Laut dem deutschen Philosophen Immanuel Kant hat dies die Bedeutung: "Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen" und war im Zeitalter der Aufklärung eine oft benutzte Aufforderung an die Menschen dieser Zeit, ihren Verstand einzusetzen, um die Fesseln der Bevormundung durch Obrigkeit und Kirche abzuschütteln und die Freiheit des Denkens zu fordern.

Die Ärzteschaft im 18. und 19. Jahrhundert muss man sich als eine geschlossene Gesellschaft vorstellen, deren hauptsächlicher Zweck darin bestand, den gesellschaftlichen Status und das eigene Einkommen zu sichern. Vorlesungen wurden in Latein gehalten. Die Ausbildung war von der Theorie bestimmt, auf die praktische Anwendung des Erlernten, bei der die Studenten Erfolg oder Misserfolg hätten erkennen können, wurde kaum Wert gelegt. Es gab keine gesicherten medizinischen Erkenntnisse. Die Heilmethoden bestanden im Wesentlichen in Aderlass, dem Verabreichen abführender bzw. Brechreiz herbeiführender Mittel, sowie Behandlung mit Quecksilberpräparaten, oder der Verabreichung von Opium, um wenigstens die Schmerzen zu lindern. Dementsprechend gering war das Vertrauen in die ärztliche Kunst. Der pejorative Begriff "Quacksalber", der zwar schon länger gebräuchlich war, geht eventuell auf die niederländischen Begriffe "quakken" (wie eine Ente schnattern, prahlen, anpreisen) und "Salver" (jemand der Salben verkauft) zurück. Eine andere Erklärung wäre die Ableitung von "Quecksilber-Salbe", welche als Mittel gegen Syphilis verschrieben wurde.

Einen Arzt aufzusuchen war mit erheblichen Umständen verbunden. Die Mediziner ließen sich wegen der besseren Verdienstmöglichkeiten in den Städten nieder, wo ein größeres Patientenpotential bestand, als auf dem Land. Für die Landbevölkerung, den weitaus größeren Teil der Gesellschaft, war es umständlich und teuer einen Arzt in der Stadt aufzusuchen. Wurde man krank, wartete man zunächst einmal ab. Trat keine Besserung ein, fragte man die Eltern, Großeltern und andere Familienmitglieder nach alten Hausmitteln. Der nächste Schritt führte dann zu sogenannten Laienbehandlern. Dies waren meist "Kräuterweiblein", Schäfer, Hebammen, aber auch Hufschmiede oder Nonnen. Meist verzeichneten deren Behandlungsmethoden wie Kräuteraufgüsse, Salben, aber auch Gebete und magische Besprechungen, die noch auf der "Viersäfte-Lehre" (Humoralpathologie) des Mittelalters basierten, bessere Erfolge, als die Bemühungen der damaligen Ärzteschaft.

Mitte des 18. Jahrhunderts stellte Christoph Wilhelm Hufeland die "Lebenskraft-Theorie" auf, die erstmalig den Organismus des Menschen als Ganzes sah, und die Heilung von Krankheiten nicht auf das reine Bekämpfen von Symptomen beschränkte. Durch die Erfahrung aus seiner mehrjährigen medizinischen Praxis kam auch Samuel Hahnemann zu dieser Erkenntnis. Durch zahlreiche Experimente, wovon er viele im Selbstversuch durchführte, gelangte er jedoch zu anderen therapeutischen Konsequenzen als Hufeland. Bis zur vierten Auflage des "Organon" sprach er noch vom "Befinden" oder "Menschenbefinden." Hahnemanns Veröffentlichungen darüber beschrieben ein Heilprinzip, das schon bald als das homöopathische bekannt wurde. Samuel Hahnemann, der – neu für die damalige Zeit – eine umfassende Anamnese, also die Befragung des Patienten über die von ihm festgestellten Symptome durchführte, erzielte beachtliche Heilerfolge mit seinem Prinzip, Ähnliches mit Ähnlichem zu heilen (similia similibus curentur). Noch heute spielt die Lebenskraft in der Homöopathie eine entscheidende Rolle. Das homöopathische Heilmittel wirkt nicht auf die Krankheit selbst, sondern soll die Lebenskraft, die nicht sichtbar, sondern nur an ihren Wirkungen zu erkennen ist, stärken und somit zur Heilung führen.

1810 schließlich veröffentlichte Hahnemann sein homöopathisches Grundlagenwerk, damals noch unter dem Titel "Organon der rationellen Heilkunde." Spätere Auflagen tragen den Titel "Organon der Heilkunst."

Als Organon (griechisch: Werkzeug) ist eine Sammlung von Schriften des Philosophen Aristoteles *384 v. Chr. †322 v. Chr. bekannt.

Zu Hahnemann Lebzeiten erschienen fünf Auflagen des Organon. Die sechste und letzte Auflage hinterließ er handschriftlich seiner Witwe Mélanie Hahnemann. Sein letzter Wille war, dass dieses Werk erst dann zu veröffentlichen sei, "wenn die Welt dafür reif ist."

Die 6. Auflage des "Organon der Heilkunst" blieb bis zu Mélanies Tod im Jahre 1878 unveröffentlicht. Auch als sich das an vielen Stellen berichtigte und durch neue Erkenntnisse ergänzte Manuskript im Besitz von Mélanies Schwiegersohn Carl von Bönninghausen, dem Sohn des Hahnemann-Schülers Clemens von Bönninghausen befand, blieb es lange Zeit unveröffentlicht. Erst 1921 gelang es Dr. Richard Haehl, die Aufzeichnungen zu erwerben. Obwohl das Manuskript durch die zahlreichen Änderungen, Einfügungen und Ergänzungen sehr unübersichtlich war und sich in keinem guten Zustand befand, sichtete und ordnete Haehl das Werk und veröffentlichte es.

Bei der Bearbeitung der jeweils aktuellen Auflage des Organons benutzte Hahnemann jeweils ein Exemplar der zuletzt veröffentlichten Auflage, ergänzte oder berichtigte einige Ausführungen, strich andere und klebte Notizen mit noch nicht veröffentlichen Thesen ein. Innerhalb eines einzigen Paragraphen fand Haehl bisweilen Änderungen und Ergänzungen, deren Entstehung mehrere Jahre auseinander lag, und die sich überlappende oder sich widersprechende Gedankengänge enthielten. Das Original befindet sich heute im Institut für Geschichte der Medizin der Robert-Bosch-Stiftung in Stuttgart. Die heute verwendete Version ist die "Textkritische Ausgabe der 6. Auflage des Organons der Heilkunst" von 1999, Herausgeber Josef M. Schmidt, bzw. die von Carl Classen herausgegebene "Studienausgabe für die Praxis."

Hahnemanns teilweise äußerst scharfen Angriffe gegen die herkömmlichen Mediziner, die eine "Unheilkunst" ausüben und dem Patienten mehr schaden als nützen, muss man aus seiner damaligen Erfahrung heraus verstehen. Selbstverständlich hat sich die klassische Medizin seit Hahnemanns Zeiten weiterentwickelt und die heutigen Heilmethoden sind nicht mit den Torturen von damals zu vergleichen. Zwar stellt die Homöopathie ein eigenständiges medizinisches Vorgehen dar, erkennt jedoch an, dass notfallmedizinische Maßnahmen oder unabwendbare chirurgische Eingriffe ihre Berechtigung haben.

Hahnemanns Weg einer schnellen, sanften und dauerhaften Heilung, das Erkennen des Wirkens von Arzneien, die Bedeutung der Anamnese machen ihn zu einem Visionär und Vorreiter der humanen Medizin. Die von ihm erzielten Heilerfolge sprechen für sich. Es fällt auf, dass alle bedeutenden Homöopathen der damaligen Zeit durch eigene Erkrankung und deren Heilung durch Samuel Hahnemann oder dessen Schüler von der neuen Heilmethode überzeugt wurden. Sie praktizierten fortan Hahnemanns Lehren und gaben seine Erkenntnisse und Erfahrungen an andere Ärzte weiter. Selbst anfängliche Gegner der Homöopathie wurden durch die am eigenen Leib erfahrenen Heilerfolge zu überzeugten Anhängern

Auf Hahnemanns Grabstein steht, wie er es wünschte:

NON INUTILIS VIXI, (Ich habe nicht unnütz gelebt).

Der Organon Index und alle darin enthaltenen Zitate beziehen sich auf "Das Organon der Heilkunst" von Samuel Hahnemann nach der 6. Ausgabe - herausgegeben von Dr. med. Richard Haehl 1921

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